Stein der (Vogel-)Weisen

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18 Mär 2017 16:32 #3900 von Wenger
Wenger erstellte das Thema Stein der (Vogel-)Weisen
Liebe Tracker,
nachdem der Ötscherbär traurig seiner Entdeckung harrt, stelle ich ein schneefreies Rätsel ein.
Einige Hinweise:
  1. es handelt sich um eine Vogel-Spur
  2. habe sie am 17.3.2017 in Niederösterreich an der Donau aufgenommen
  3. Habitat ist eine große Schotter-, Sand-, Schlammfläche
  4. Bild 1 zeigt die Übersicht (es geht um die Spur im oberen Bereich (wem das zu einfach ist, der kann als Zusatzaufgabe auch die Spur unten lösen).
  5. Die Bilder 2&3 zeigen Details-
  6. Die
Frage lautet:
  • 1) Welcher Vogel
  • 2) warum (welche Fakten sprechen für diesen Vogel)?
  • viel Spaß
    Andreas
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29 Mär 2017 08:34 #3940 von Wenger
Wenger antwortete auf das Thema: Stein der (Vogel-)Weisen
Ihr habt ja recht!

Auch für mich ist das Fährtenlesen in erster Linie eine Methode, um den Säugetieren näher zu kommen Spirituell gesehen kann man das Modell entwickeln, dass Säugetiere Wesen der Erdphase sind und sich somit auch in Erde materialisieren – während Vögel als Geschöpfe der Luft sich in luftigen Medien (z.B. Akustik, Flug) zeigen.

Trotzdem habe ich festgestellt, dass es sehr lohnend ist, auch den erdigen Seelenanteil der gefiederten wahrzunehmen. Viele – sonst versteckt lebende Arten – offenbaren sich auch in Spuren am Boden. Deshalb finde ich es lohnend, sich diesem Thema vermehrt zu widmen. Ich habe da jetzt einige Flächen, denen ich mich zuerst „sitzplatzmäßig“ nähere – das heißt ich setze mich eine Stunde ruhig und leicht gedeckt hin und beobachte, was hier so läuft. Dann kann ich die Spuren auf Artniveau betrachten und Bestimmungsmerkmale erarbeiten, Algorithmen entwickeln ….

Daran arbeite ich zur Zeit und dafür möchte ich auch die eine oder den anderen begeistern.

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31 Mär 2017 20:42 #3946 von Irene Wanitschke
Irene Wanitschke antwortete auf das Thema: Stein der (Vogel-)Weisen
Also ich vermute, es könnte sich bei der oberen Spur um einen Flussregenpfeifer handeln.
Zuerst einmal passt er in die vorgestellte Landschaft. Er liebt kiesig sadige Flächen an großen Flüssen, weil er dort brütet und nach Narung sucht. Der Flussregenpfeifer ist nicht viel größer als ein Sperling und hat entsprechend kleine Füße. Genau Angaben konnte ich zu seiner Fußgröße leider nicht in meinen Büchern finden. Es fehlt eine Hinterzehe, genau wie in der Spur.
Denkbar wäre auch noch ein Flussuferläufer, der jedoch etwas größer ist, so das ich meine, er müsste auch größere Fußabdrücke haben.

Ich kann mir vorstellen, das der Flussregenpfeifer da recht schnell über den feuchten Sandschlamm gelaufen ist (auf der Suche nach jagbaren Insekten), denn die Spurbreite ist recht schmal.

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01 Apr 2017 12:44 #3947 von Wenger
Wenger antwortete auf das Thema: Stein der (Vogel-)Weisen
Hallo Irene,
Danke, dass du dich meines Rätsels angenommen hast! Kurz und bündig – du hast Recht, gratuliere, Rätsel gelöst.

Ich möchte kurz erläutern, welche Vogel-Bestimmungs-Algorithmen mir da zugefallen sind. Die Recherche ist ja nicht ganz leicht, weil die vorliegende Literatur sich auf Nordamerikanische Arten bezieht (M. Elbroch & E. Marks: Birds Tracks & Signs) oder einfach fehlerhaft ist (Brown, Ferguson et al.: Federn, Spuren & Zeichen). Leider ist auch der neue Vogelspurenfühler aus dem AULA-Verlag (Bergmann H.H. & S. Klaus: Spuren und Zeichen der Vögel Mitteleuropas) – ich sage das einmal so- überraschend schlecht und wenig brauchbar. Die sonstige ornithologische Fachliteratur bezieht Fußspuren kaum ein.

Also Schritt 1, grundsätzliche Unterscheidung (grob nach Elbroch)
• „klassischer Vogelfuß“
3 nach vorne, Hallux lang du relativ gerade nach hinten
• Schwimmhäute
klingt einfach – manchmal sind diese aber nicht sichtbar (zB bei Enten)
• „Gamebird“-Füße
Hallux stark reduziert (weil fehlt oder sehr hoch steht), +- sichtbar und nach innen gewinkelt
[nB.: Ich hasse den Terminus „Gamebirds“
Was für ein schrecklicher Zugang zur Natur, andere Lebewesen als Spielmasse zu sehen, deren Existenz sich darin gründet, von bestimmten Menschen als Zielscheibe missbraucht zu werden …]
• Zygomorphe Füße
2 vorne 2 hinten (v.a. Eulen, Spechte)

Schritt 2
Der Rätselvogel ist somit wohl ein „Gamebird“

Die Gruppe der Gamebirds kann man jetzt wieder aufteilen:
• deutliche (Inter) Phalangial- Ballen (zT sehr groß)
das sind Hühnen (bei und v.a. Fasan), Rallen, Kranich, Störche
• keine (Inter) Phalangial- Ballen
= Limikolen = Watvögel

Schritt 3
Der Rätselvogel ist somit wohl eine Limikole / Watvogel

Elbroch unterscheidet hier (mE sehr zielführend) in den
• „Plover-Typ“ (Regenpfeifer, Kiebitze)
Hallux fehlt, MT(Metatrasalraum) meist nicht abgedrückt
die Zehenballen relativ dick und dreieckig
• Tringa-Arten und Schnepfen
Hallux und MT meist abgedrückt,
ZB sehr schmal und parallel randig

Schritt 4
Der Rätselvogel ist somit wohl ein „Plover-Typ“ = Regenpfeifer / Kiebitz

• Die Länge ist < 3cm (Messung ohne Hallux – das kann missverständlich gegenüber den klassischen Typen sein)
• da kommen in Mitteleuropa nur Fluss-, Sand- und Seeregenpfeifer in Betracht
Seeregenpfeifer ist eine „Salzart“, Sandregenpfeifer wäre vielleicht etwas größer (eher an der Küste)
ja es ist ein Flussregenpfeifer

Schlussbetrachtung
• Größe und Form der TS, sowie das Habitat machen es möglich, den Vogel aufgrund der Spur mit großer Sicherheit zu bestimmen.
• Im Elbroch ist die äquivalente Spur „killdeer“ – also der dortige Spitzschwanzregenpfeifer
• Ein zusätzliches Merkmal ist das Gangbild, das im Englischen „duck-toed“ genannt wird – also sichelfüßig / einwärts gekehrt (Tringa-Arten oder Schnepfen gehen recht geradlinig ohne „pitch“.)

Als Differenzialdiagnostik erwähnst du noch den Flußuferläufer (auch die Zwergschnepfe hätte TS < 3cm)

• beide Vögel zeigen den Hallux, sowie den MT-Raum im TS
und haben schlank parallel randige Zehen
• Masse (nach eigenen Recherchen:
Flußregenpfeifer: 2,5 x 2,9cm (durchschnittliche L x B)
Flußuferläufer: 2,4 x 2,8cm
Zwergschnepfe: 2,7 x 2,9

Als Anschauungsmaterial hänge ich 2 Bilder dieser Arten an, die auch im selben Areal vorkommen (Die Zwergschnepfe ist allerdings vom Winter)


Nebenbei:
die „klassische“ Vogelspur in Bild 1 unten ist eine Bachstelze
Anhang:
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01 Apr 2017 21:58 - 01 Apr 2017 21:59 #3948 von Heide Ulrich
Heide Ulrich antwortete auf das Thema: Stein der (Vogel-)Weisen
Lieber Andreas, vielen Dank für deine Beobachtungen und deine sorgfältigen Recherchen!! Super, dass du uns daran teilhaben lässt! Ich war nur bis zur "Limikole" gekommen... Wieder eine Menge gelernt!
Klasse, Irene, dass du es rausgeknobelt hast!
Letzte Änderung: 01 Apr 2017 21:59 von Heide Ulrich. Begründung: Ergänzung

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02 Apr 2017 19:27 #3949 von Irene Wanitschke
Irene Wanitschke antwortete auf das Thema: Stein der (Vogel-)Weisen
Oh man, ganz so wissenschaftlich bin ich da nicht ran gegangen. Da hatte ich wohl auch ein wenig Glück, das ich mich für den richtigen Vogel entschieden habe. Als erstes habe ich nachgeschaut welche Vögel typisch für die Kiesbänke der Donau sind. Und der Flussregenpfeifer, der ja auch auf diesen Kiesbänken brütet und dort viel herumläuft erschien mir gleich am wahrscheinlichsten. Leider habe ich als Nachschalgewerk nur die "Spuren und Zeichen der Vögel Mitteleuropas" vom Aula-Verlag zu Hause und wie du schon festgestellt hast, ist der sehr dürftig. Im Internet habe ich auch keine brauchbaren Fußabdrücke vom Flussregenpfeifer gefunden. Daher haben ich mir einfach Bilder vom Vogel selbst gesucht und mir die Füsse genau angeschaut, wie die Zehen zueinander stehen, daß sich keine Hintere Zehe abdrücken kann und so weiter. Maße konnte ich daraus allerdings keine ablesen, außer das es von Vogelgröße zu Vogelspur in etwa passen müsste.

Aber ich finde es ganz toll, daß du auch Bilder vom Flußuferläufer und der Zwergschnepfe (noch dazu mit Maßen :woohoo: ) angehängt hast. Eigentlich müsste ich mir das gleich ausdrucken und in mein Buch hinein legen. Vielleicht kann ich es so mit der Zeit etwas aufwerten. ;)

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