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THEMA: Fraß an Weizen beim Ährenschieben

Fraß an Weizen beim Ährenschieben 31 Mai 2016 12:43 #3419

  • Heide Ulrich
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Heute habe ich eigenartige Fraßspuren an Weizen gefunden, die ich zuerst gar nicht einordnen konnte. Sie erinnerten mich sofort an Zeichen an Raps, die ich im letzten Jahr im Mai gefunden hatte: www.spurenjagd.de/forum/zeichen/418-rapsstengel-zerkaut .
Es ging dem Verursacher offensichtlich um die gerade im Ähren-Schieben befindliche Weizenähre, die meist noch in der Blattscheide steckte. Das obere Weizenblatt lag häufig daneben. Das eigentliche Zeichen sah aus, als wäre der Halmbereich mit der Ährenspindel gründlich durchgekaut und dann liegengelassen worden.
Zuerst dachte ich an eine Erd- oder Rötelmaus. Die Weizenblätter und die "durchgekauten" Halmstückchen lagen aber ca 1 m vom Feld entfernt auf dem angrenzenden Weg, völlig frei und ohne Deckung. Sowohl der längere Transport des großen Halmstückes mit Blatt als auch der Fraßplatz ohne Deckung passt m.E. nicht zu solchen Mäusen. Auch fand ich selbst mit der Lupe keine Zahnspuren am Halm.
Dann kamen mir Krähen oder Raben in den Sinn. Die hellen Stellen am Halm oberhalb der weißen faserigen Enden könnten tatsächlich Schnabelmarken sein. Und dass sie den Ährenbreich abpicken, gründlich mit dem Schnabel bearbeiten und dann per Gewölle die Reste wieder ausspucken, kommt mir denkbar vor.
Mich wundert nur, dass die "Gewölle" meist direkt neben dem Fraßplatz (beim Blatt) liegen. Können sie so schnell nach dem Fressen Gewölle produzieren??
Bei dem toten Dachs, den wir im Lehrgang gefunden hatten, hatten allerdings die Krähen ebenfalls direkt neben dem Kadaver ihre Gewölle ausgespuckt.
Außerdem wundert mich nach wie vor die sehr helle Farbe des Materials der kleinen faserigen Haufen.
Hat jemand eigene Erfahrungen hierzu?

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Letzte Änderung: von Heide Ulrich. Begründung: Tippfehler

Fraß an Weizen beim Ährenschieben 12 Jun 2016 12:33 #3442

  • Heide Ulrich
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Ich habe nun nochmals solche "durchgekauten" Häufchen gefunden, zwischen einem Rapsfeld und einem Gerstenfeld. Dieses Mal waren sie noch frisch grün und feucht und wie mit Spucke verklebt und bestanden aus "durchgekauten" Gerstenähren, -halmen und -blättern (Bild 1 und 2). Zwei Tage später waren sie schon so ausgebleicht wie meine vorigen Funde (Bild 3), nur unterseits in der Mitte noch leicht grünlich (Bild 4). Und die Größe war für ein Krähen- oder auch Raben-Gewölle zu groß.
Sie lagen direkt auf einem Feldweg an einer Stelle, wo ich die Tage zuvor häufiger Wildschweinspuren den Weg kreuzen sah. Gegenüber dem Rapsfeld geht ein regelrechter Wechsel in das Gerstenfeld (Bild 5).
Nun vermute ich eher, dass es sich um eine Fraßspur von Wildschweinen handeln könnte. Die Sauen können ja als Nicht-Wiederkäuer das faserige Material von Halmen und Stengeln schlechter verwerten - denkbar, dass sie es deshalb mitunter einfach wieder ausspucken, wenn sie die nährstoffreichen Blüten- oder Kornansätze herausgekaut haben. Die helle Farbe erklärt sich offenbar daraus, dass das stark durchgekaute Gewebe schnell ausbleicht, vielleicht unterstützt durch die Speichelbeimengung.
Gegen Gewölle spricht auch die meist ziemlich lockere Struktur der Häufchen und die "Klebesubstanz". Ich bin gespannt auf weitere Beobachtungen.

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Fraß an Weizen beim Ährenschieben 03 Nov 2016 18:35 #3654

Ich möchte gerne nochmals diesen Beitrag von Heide in den Fokus rücken, da wir beim Besuch bei unseren holländischen Fährtenleserfreunden vor zwei Wochen dort nämlich ähnliche Spuren dieser "ausgekaut" wirkenden, an der Sonne gebleichten Grasfaserbällchen gefunden haben - und wahrscheinlich des Rätsels Lösung! Genau daran hat sich dann auch der große Vorteil des "grenzübergreifenden" Wissensaustausches erwiesen (ganz abgesehen davon, dass es unglaublich Spaß gemacht hat, gemeinsam Fährtenlesen zu gehen...)

Wie ich gerade sehe, hatte Heide sogar ein paar dieser "Klößchen" in frischem Zustand entdeckt. Jetzt fragen wir Euich nochmals: Wer war das - und warum?
"Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern. Bäume und Steine werden dich lehren, was du von keinem Lehrmeister hörst."
~~Bernhard von Clairvaux

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